In den 70-er Jahren hat sich die Lebenswelt der jungen Menschen stark verändert. Mehr und mehr wurde deutlich, dass die Gruppenarbeit nicht allen Jugendlichen gerecht wird. Zwar hatte der CVJM keinen Grund zur Klage, denn nach wie vor erreicht er mit der Gruppenarbeit eine sehr große Zahl an jungen Leuten. Im sozialen Brennpunkt in Hohenkreuz wurde die Notwendigkeit einer anderen Arbeit jedoch schon früher erkannt. Dort hat der CVJM dann die Verantwortung für die "Teestube-Hütte" übernommen und sich um solche Jugendlichen gekümmert, die in der traditionellen Arbeit keinen Fuß fassen konnten.
Ende der 70-er Jahre wurde dann das Modell der jugendhausähnlichen Einrichtungen auf Landkreis-Ebene entwickelt. Die Jugendverbände wurden an der neu entstandenen Offenen Arbeit beteiligt. Das Modell sah vor, dass mit einem wesentlich geringeren Personaleinsatz von hauptberuflichen Kräften ein Jugendhaus betrieben werden sollte. Die ehrenamtliche Mitarbeiterstruktur der Jugendverbände konnte so genutzt und zur kostengünstigen Alternative werden.
Auf Bitten der Stadt Esslingen hin hat sich der CVJM dann auf den Weg gemacht. Nicht zuletzt durch kräftige Ermutigung durch Dekan Scheffbuch, der zu dieser Zeit im Vorstand des CVJM Esslingen war, hat es der CVJM Esslingen gewagt, diesen Schritt zu tun. In der Pliensauvorstadt wurde die Trägerschaft der Offenen Arbeit dem CVJM übertragen. Nach manchen Vorgesprächen, insbesondere mit der Jugendinitiative, die sich in der Vorstadt gebildet hatte, konnte der CVJM im Jahre 1980 den Jugendtreff MAKARIOS (zu deutsch: glücklich sein) in Betrieb nehmen. In einer ehemaligen Baracke fand nun an drei Abenden in der Woche die Offene Jugendarbeit statt.
Sehr rasch zeigte sich, dass mit dieser Form von Jugendarbeit eine völlig andere Zielgruppe erreicht wurde. Ein hoher Anteil ausländischer Jugendlicher wurde zum Stammpublikum des MAKARIOS. Auch solch junge Menschen, die aufgrund familiärer, schulischer oder beruflicher Situationen in Schwierigkeiten waren, fanden sich dort ein und konnten entsprechend begleitet werden.
Trotz intensiver Begleitung ist es nicht immer gelungen, Jugendliche vor dem Abgleiten zu bewahren. Deshalb gehörte es auch zu den Aufgaben der Jugendhausleiter, immer wieder mit der Jugendgerichtshilfe Kontakte aufzunehmen bzw. Jugendliche im Gefängnis zu besuchen. Soziale Trainingskurse wurden durchgeführt und so manche Probleme in intensiver Einzelbetreuung bewältigt.
Parallel dazu wurde im neuen Lutherbau mit der Offenen Arbeit begonnen. Neben dem "Keller" war es vor allem der von Helmut Schöppe geleitete "Club T", der Jugendliche aus der Kanalstraße und anderen Innenstadtbereichen anzog, die in keiner Jugendgruppe zu integrieren waren. Sportliche Angebote in der Gymnastikhalle des CVJM bildeten den Schwerpunkt der Arbeit während der Öffnungszeiten. In unermüdlichen Einzelgesprächen und Hausbesuchen wurde versucht, die Situation der Jugendlichen zu verbessern. So manche Bewerbung wäre ohne die Hilfe der Mitarbeiter des CVJM nie zustande gekommen, und manche Konflikte mit den Eltern, den Kumpels und am Arbeitsplatz konnten auf diese Weise gelöst werden.
1984 trat die Stadt Esslingen erneut an den CVJM heran, um die im Stadtteil Weil vom dortigen Pfarrer begonnene Offene Arbeit fortzuführen. Der CVJM hat sich nach reiflicher Prüfung entschlossen, seine Arbeit auszuweiten und auch diese Verantwortung zu übernehmen. Erneut wurde das Team der hauptamtlichen Mitarbeiter ausgeweitet und ab Herbst '85 ein CVJM-Sekretär für diesen Bereich eingestellt. Die offene Arbeit in Weil wurde mittlerweile wieder aufgegeben.
Ab 1990 stellten wir in der "Teestube Hütte" eine starke Zunahme der sozialen Problemlagen bei den Jugendlichen fest. Es war klar, dass sie in dem seitherigen wöchentlichen Angebot nicht mehr aufgefangen werden konnten. Es musste rasch gehandelt werden. Die Lage in Weil hatte sich entspannt, und so konnte in Gesprächen mit der Stadtverwaltung vereinbart werden, das Jugendhaus Weil auf 50 % zu reduzieren und dafür die "Teestube Hütte" in einen offenen Jugendtreff (heute Jugendtreff NORD/"Hütte") umzuwandeln. Die gute Kommunikation mit den Verantwortlichen in der Stadt und bei der Kirche haben zu einer schnellen Lösung geführt, und so konnte 1991 ein CVJM-Sekretär für die neugeschaffene Stelle im Jugendtreff NORD/"Hütte" angestellt werden. Sehr rasch ist es gelungen, das Vertrauen zu den Jugendlichen - aber auch zu den Lehrern der nahegelegenen Grund- und Hauptschule Wäldenbronn - zu gewinnen.
1996: Start des Kinderhauses Agapedia
Der vergleichsweise neue Zweig der Offenen Arbeit wendet sich einer anderen Altersgruppe zu - den Kindern. Zunehmend wurde deutlich, dass nicht erst die Jugendlichen, sondern bereits die Kinder sich sehr oft selbst überlassen sind und weitere Angebote benötigen. In der gemeinnützigen GmbH AGAPEDIA wurde ein Partner gefunden, der über entsprechende Finanzmittel verfügt und dem die Arbeit mit Kindern sehr wichtig ist. In vielen Gesprächen mit den Fraktionen und der Stadt- und Kreisverwaltung konnte schließlich im April 1996 das Kinderhaus AGAPEDIA eröffnet werden. Im Jahr 2000 wurde die 100% Stelle um eine weitere Stelle ergänzt, die aktuell mit 75 % besetzt ist.
1999 kam die Schulsozialarbeit an der Pliensauschule und Adalbert-Stifter Hauptschule mit unter die Trägerschaft des CVJM Esslingen. Damit wollte die Stadt gezielt die Zusammenarbeit und Verknüpfung zwischen offener Jugendarbeit (Jugendtreff Makarios) und den Schulen im Stadtteil Pliensauvorstadt fördern. Aus dieser Kooperation sind u.a. die Helferschulungen entstanden. Diese Schulungen sind ein spezielles Qualifizierungsangebot für Jugendliche aus der Offenen Arbeit zwischen 12 und 14 Jahren, die sich im Jugendtreff oder bei Angeboten der Schulsozialarbeit engagieren möchten.
Inzwischen ist die Schulsozialarbeit (oder besser Jugendsozialarbeit an Schulen) fast nicht mehr aus der Arbeit wegzudenken.
Entwicklung seit 2001
Seit 2001 wurden die Stellen in den jugendhausähnlichen Einrichtungen sukzessive ausgebaut. Mittlerweile gibt es noch je eine 50%-Stelle im Makarios und im Jugendtreff Nord.
Erfreulich ist, dass das Makarios nach 24 Jahren Provisorium im Herbst 2004 in ein neues Gebäude einziehen konnte. Der Jugendtreff Nord hat sein neues Gebäude im Februar 2008 offiziell in Betrieb genommen.Bauträger war in beiden Fällen die Stadt Esslingen.