CVJM Esslingen

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Die Zeit von 1872 - 1914

Dekan Planck, Vorstand des Eßlinger Jünglingsvereins 1881 - 1902 erzählt aus dieser Zeit:

·      "Am Abend des 1. Februar 1872 versammelten sich etliche Brüder, die seit einiger Zeit eine Gesangstunde in der sogenannten 'Laterne', dem jetzigen Mesnerhaus bei der Stadtkirche, gehalten hatten, um sich als Jünglingsverein zusammenzuschließen und einen Vorstand und Ausschuss zu wählen. Gesang- und Erbauungsstunde und am Sonntagnachmittag- und abend geselliges Zusammmensein mit der Möglichkeit einer Erfrischung (dies namentlich für solche, die sonst aufs Wirtshaus angewiesen wären), das waren die Zusammenkünfte des jungen Vereins, der sich alsbald dem süddeutschen Jünglingsbund anschloss.

·      "Von Anfang an stand für mich fest, dass die wöchentliche Bibelstunde das Rückgrat des Vereins sei."

·      "Die erste Bereicherung des Vereinslebens war der 1885 gegründete Posaunenchor. Erster Chorleiter war der Stadtmusikus Fritz Neß. Ihm folgten sein Bruder Heinrich, der als Kirchenmusiker auf dem Stadtkirchenturm wohnte. Zu größter Blüte aber gelangte der Chor unter seinem Sohn Heinrich Neß mit zuletzt 24 Bläsern."

·      "Der Jünglingsverein war eine einheitliche Größe, als ich ihn übernahm, ohne Trennung von Älteren und Jüngeren. 1887 erfolgte eine Einteilung der Gruppen, damit namentlich die neu eintretenden und jüngeren Mitglieder fester ins Vereinsleben eingefügt würden."

·      "Das im gleichen Jahr in das Programm aufgenommene Turnen brachte oft ansehnliche Leistungen. Eine regelmäßige wöchentliche Turnstunde fand in der städtischen Turnhalle statt."

·      "Der Singchor und die bei Bedarf zusammentretende Laienspielgruppe trugen zur Verschönerung der regelmäßigen geselligen Feiern wesentlich bei."

·      "Die Finanzen machten uns im Ganzen wenig Sorgen. (...) So konnten wir daran denken, die Erstehung eines eigenen Vereinsgartens ins Auge zu fassen. 1899 wurde ein Grundstück in der Erbershalde (heute Anna-Schieber-Weg) um 2800 MK unser Eigentum ..." Der prächtige Garten mit Hütte wurde 1977, inmitten eines Wohngebiets - und deshalb für seinen ursprünglichen Zweck kaum mehr nutzbar - zugunsten des Lutherbau-Neubaus verkauft.

Mit der Übertragung des Dekanatsamtes musste Heinrich Planck das mit ca. 150 Mitgliedern blühende Vereinswesen nach über 20-jähriger Vorstandschaft schweren Herzens abgeben.

Über das Vereinsleben von 1902 - 1912 berichten Sekretär Ernst Spieth und Stadtpfarrer Johannes Herzog (1.Vorsitzender von 1905 - 1914):

·      Aus der Enge in die Weite
"Über 30 Jahre lang behalfen wir uns mit den engen aber trauten Räumen (kleiner Saal im Parterre und ein noch kleinerer im Obergeschoss), bis uns der obere wegen der Erweiterung der Diakoniestation gekündigt werden musste. Bei einem vorhandenen Vermögen von 1671.-- MK - der Besitz des Gartens war gerade schuldenfrei geworden - entschied man sich nach eingehenden Beratungen für das zum Kauf eingetragene Anwesen von Rechtsanwalt Camerer, Adlerstraße 3, gerade gegenüber dem alten Vereinshaus. Es handelte sich um ein dreistöckiges Haus mit Garten zu einem Kaufpreis von 44.000,-- MK, das am Ende am 07.11.1905 erworben wurde."

·      "Binnen kurzer Zeit war die Finanzierung gesichert. Die Gebefreudigkeit überstieg alle Erwartungen!"

·      "Der erforderliche Saalanbau an das Gebäude samt Aufbau wurde, nachdem wir die Bauleitung dem schon längere Zeit uns treu beratenden Architekten Karl Junge übertragen hatten, im März 1906 begonnen und am 18. November 1906 eingeweiht."

·      "Es war ein erfreuliches Ergebnis der Planung, als es sich bei der Abrechnung herausstellte, dass der Gesamtaufwand und die gesammelten Mittel bis auf etwa eine Mark stimmten. Es ist dies natürlich auch eine besondere Befriedung für das finanztechnische Mitglied des Ausschusses, Kaufmann Hermann Berner, auf dessen Schultern zumeist die Sorge lag."

·      "Der Bau war gelungen. Die Bauabrechnung betrug 74.650,-- MK. Für Aufsicht und Ordnung im Haus wurde der Hausmeister August Mayer gefunden, der für 5 1/2 Jahrzehnte dieses Amt zur größten Zufriedenheit bekleiden sollte."

·      Nachdem das Bauvorhaben fast beendet war, fand im Sommer 1906 ein Antrag auf Änderung des Namens 'Evangelischer Jünglingsverein' in 'Christlicher Verein Junger Männer' (CVJM) nach dem Vorbild anderer städtischer Vereine allgemeine Zustimmung.

·      Fast gleiche Einmütigkeit bestand zwei Jahre später in der Frage der Anstellung eines 'Berufsarbeiters', also eines hauptberuflichen Sekretärs: "In der Person unseres Mitgliedes Karl Flaig war der rechte Mann gefunden, so dass er nach sechsmonatiger Ausbildung sein Amt antreten konnte."

·      Die Berechtigung zu diesem Schritt soll die folgende Aufstellung zeigen :
- ältere Abteilung: 68 Mitglieder
- jüngere Abteilung: 205 Mitglieder (darunter 55 über 17 Jahre)
- Knabenabteilung: 70 Mitglieder (heute Jungschar genannt)
- Christliche Schülervereinigung (B.K.): 130 Mitglieder
- Bäckerabteilung: 25 Mitglieder
- Pliensauvorstadt-Verein: 20 Mitglieder

·      Im Februar 1907 war von den älteren Schülern der höheren Lehranstalten die Christliche Schülervereinigung, heute Bibelkreis (B.K.) gegründet worden.

·      In diese Zeit fällt auch der Satz in einer Festschrift:
"Die Arbeit an der Jugend, zumal der 'arbeitenden', wird von Jahr zu Jahr ernster. Die freie Jugendorganisation steht im offenen Kampf mit den christlichen Vereinen ..." Es heißt dann weiter: "Bald bildete sich ein Trommler- und Pfeifenchor. Als dann die Pfadfindersache sich in Deutschland bemerkbar machte, fand dieselbe in unserer Jugendabteilung einen gut vorbereiteten Boden. Der Schülerbibelkreis machte ebenfalls in der Pfadfindersache begeistert mit."

·      Ein Wort zur Jungschar:
"Das hat unsere Vereine auch bewogen, Knabenabteilungen einzurichten, eingedenk des Wortes: 'Die mich frühe suchen, die finden mich.' Die Anfänge der Arbeit gehen auf das Jahr 1910 zurück. Es war der Sekretär Flaig, der sie zielbewusst mit herein nahm."

·      Zum geplanten Lutherbau-Neubau 1914:
"So dankbar der Verein für sein eigenes Heim war, so erwiesen sich die Räume bei dem stetigen Wachstum desselben bald als nicht mehr ausreichend. Da zu Beginn des Jahres 1914 das ehemalige Oberamtsgefängnis Kiesstraße 3 vom Staat käuflich erworben werden konnte, stand vom Grundstück her gesehen einem umfassenden Neubau des Vereinshauses nichts mehr im Weg. Den besten Entwurf im Wettbewerb lieferten die Stuttgarter Architekten Klatte und Weigle. Schon sollten die beiden Häuser Adlerstraße 3 und Kiesstraße 3 abgebrochen und der Bau begonnen werden, da machte der Mobilmachungsbefehl auf 2. August 1914 allen Hoffnungen ein jähes Ende."