CVJM Esslingen

Hingucker

Inhalt

Die Zeit von 1933 bis 1945

  • "1933 - Mit der Machtergreifung Hitlers beginnt der Kampf gegen die konfessionellen Jugendverbände. Der CVJM musste zunächst auf die Arbeit an den unter 18jährigen verzichten; ihre Betreuung wird von der Kirche wahrgenommen. Der CVJM darf sich selbst nur noch mit den über 18jährigen beschäftigen - aber ausschließlich Bibelarbeit ist erlaubt, sportliche oder gesellschaftliche Zusammenkünfte sind der Hitlerjugend vorbehalten. In den schicksalsschweren Frühjahrswochen 1934 bewährte sich die gute Zusammenarbeit zwischen Dekan Schlatter und dem CVJM, dessen Mitarbeiter auch in den kommenden Jahren trotz Druck und Denunziation unter den veränderten organisatorischen Formen die Arbeit weiterführen.
  • (...) Das letzte Lager fand 1938 in Wildberg statt; am Ostersonntag erschien die Gestapo, löste das Lager auf und beschlagnahmte die Instrumente des Posaunenchors.
  • (...) Der ganze Hass richtete sich gegen Alfred Engel. (...) An einem Julimorgen 1939 war auf dem Gehweg des Lutherbaus zu lesen: "Alfred Engel betet und sucht seit zwei Jahren produktive Arbeit." Zwei Tage später wurde er zu Arbeiten an den Westwall verpflichtet.

Einquartierung: Im September 1940 zog eine Landesschützenkompanie in sämtliche Vereinsräume mit Ausnahme der Wirtschaftsräume (der CVJM unterhielt ja noch eine Speisegaststätte im Haus Kiesstraße 3) und des Geschäftszimmers von Herrn Keyler ein.

  • Ausschusssitzung am 21.07.1941 ohne vorherige Bekanntgabe der Tagesordnung:
    Besuch von Pfarrer Theo Kübler aus Stuttgart ist angekündigt. Bekanntgabe der Tagesordnungspunkte nach Begrüßung des Gastes: Der Württ. Evangelische Jungmännerbund empfiehlt die Überleitung der bisherigen CVJM-Arbeit in die kirchliche Gemeinschaft, verbunden mit einer Neuordnung des den Vereinen gehörenden Vermögens. Zweistündige Aussprache. Kübler: "Es wäre geradezu unverantwortlich, den Besitz der Gefahr der Beschlagnahme durch den Staat auszusetzen!". Ausschuss: "Der CVJM Esslingen soll weiterhin selbständig bleiben, und es soll sich der Glaubensweg in dieser gefahrvollen Zeit bewähren. Wenn Gott dieses Werk aufhören lassen wolle, dann sei dies etwas anderes."
  • "Von der Neujahrsrüststunde am 1. Januar 1945 gehen noch einmal Grüße der 30 Teilnehmer an die Mitglieder an den Fronten, achtzig von ihnen sollten nicht wiederkommen."

Aus Protokollen, Festschriften und sonstigen Notizen entnehmen wir über die letzte Zeit des Krieges:

  • "Unsere Versammlungen fallen trotz häufiger Fliegeralarme nur wenige mal aus. Freitags- und Gemeinschaftskreis konnten das ganze Jahr durchgehalten werden. Der Posaunenchor tut sich schwer. (...) Selten ist einer unserer Urlauber in der Heimat, der nicht versucht, in einen Kreis zu kommen. (...)
    Ernst Baun hat in der Planckstraße wieder mit einer Jungschar von 20 Buben begonnen, die, wenn er nicht aus Tübingen kommen kann, von Frl. Ursel Dehlinger gehalten wird."
  • Neun Mitglieder treffen sich noch zur letzten Hauptversammlung am 1. Februar 1945. Die letzte Freitagsbibelstunde wurde bis Ende März 1945 durchgehalten. Am 18. April räumten dann die Landser den Lutherbau.
  • Unter entscheidender Mitwirkung unseres 2. Vorsitzenden Hans-Karl Riedel wurde die unzerstörte Stadt Esslingen am Sonntagmorgen, 22. April 1945, kampflos den Amerikanern übergeben.
  • Mit dem Einrücken der gegnerischen Truppen wurde das Haus in der Kiesstraße 3 durch Polen besetzt. Fünf Familien mussten unsere Häuser räumen. Es wurde auch geplündert. Unsere Einrichtungen aber konnten dank der Geschicklichkeit unserer Köchin, Frau Ziegele, zusammengehalten werden.
  • Im Sommer 1945 beginnt ein neuer Abschnitt unserer Arbeit in Esslingen. Wilhelm Dehlinger, der in der schwersten Zeit seit 1937 den CVJM als 1. Vorsitzender mannhaft und furchtlos geleitet hatte, übergibt sein Amt an Fritz Liebrich; Alfred Engel, aus Gefangenschaft zurück, wird Leitender Sekretär - eine reiche und lebendige Zeit des Neuaufbaus beginnt.